Groß raus kommen mit großen Buchstaben?

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Der Lautstärke wird im Marketing auch heute noch eine hohe Priorität eingeräumt, um sich durchzusetzen im Stimmengewirr der Marken und Produkte. Damit das eigene Label nicht untergeht im Meer der Launches und Relaunches, greifen Marketer tief in die Trickkiste.

Der Trick mit den Versalien

Das macht sich natürlich auch im Text-Department bemerkbar: Ein Kniff, der Rückgriffe auf die Kunst der Typografie macht, ist dabei der Einsatz von Versalien. Viele Markenhersteller sind in ihrer Kommunikation dazu übergegangen, ihre Namen in Großbuchstaben schreiben zu lassen. Auch in Headlines und Claims finden Versalien sehr häufig Verwendung. Große Buchstaben gleich große Wirkung, so lautet die Hoffnung dahinter, die sich das Marketing damit für seine Textbotschaften macht. Doch geht diese Gleichung auf? Wir haben uns dem Phänomen mal etwas genauer gewidmet:

Von hoher Wichtigkeit?

Auf den ersten Blick ist der Schlagzeilen-Effekt der Versalien naheliegend. Der Leser kennt diesen Effekt und ist es gewohnt, Botschaften von gesteigerter Wichtigkeit hinter diesen Schlagzeilen zu erwarten. Allerdings hat gerade dieser Aspekt auch eine Kehrseite, denn der leicht „alarmistische“ Charakter der Versalien kann auf sensible Leser zu marktschreierisch wirken. So kann das Pendel zurückschlagen, und Großbuchstaben können eventuell Sympathiepunkt kosten.

Der Werbeeffekt

Dazu kommt: Der werbliche Charakter dieser Texte wird natürlich leichter durchschaut, wenn Sie Ihre Botschaften in Versalien kleiden. Anstatt Ihre Botschaften unauffällig in den Lesefluss einzubinden, überrumpeln Sie den Leser sozusagen mit Ihren Absichten und animieren ihn eventuell, diese Partien zu überspringen.

Schlechte Lesbarkeit

Der wichtigste Aspekt aber, der gegen den intensiven Einsatz von Großbuchstaben spricht, ist die verschlechterte Lesbarkeit: Die Aneinanderreihung von Versalien reduziert eindeutig die Aufnahmegeschwindigkeit der Inhalte beim Betrachter. Sie machen es Ihrem Leser also nicht leichter zu verstehen, was Sie sagen wollen.

Keine Steigerung der Clicks

Im Online-Marketing mit seinen vielfältigen Mitteln der Messbarkeit ist die Wirkung von Versalien untersucht worden: So hat die global tätige Textagentur Erfolgswelle über einen langjährigen Zeitraum Millionen von Seitenaufrufen ausgewertet und dabei festgestellt, dass Links, die in Großbuchstaben gesetzt werden, nur eine ca. 5% höhere Clickrate aufwiesen als konventionell gesetzte Links. Diese Abweichung ist so gering, dass sie fast schon an der Schwelle der statistischen Signifikanz liegt.

Fazit: Weniger ist mehr

Aus diesem Grund und aus den oben angeführten Gründen der verschlechterten Lesbarkeit und des marktschreierischen Charakters der Versalien halten wir es für sinnvoll, Großbuchstaben in Namen, Claims und Headlines nur sehr sparsam dosiert einzusetzen oder ganz darauf zu verzichten. Der Einsatz der korrekten Rechtschreibung erleichtert dem Leser das Verstehen Ihrer Botschaften und sorgt gleichzeitig dafür, dass Sie von Ihren Kunden als seriöser und vertrauenswürdiger Partner wahrgenommen werden.

Michael Siegle1 Comment