Ob Online oder auf Papier – sind nicht alle Texte gleich?

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Text ist gleich Text, ob Online oder Print – weit gefehlt! Spätestens seitdem die Print-Krise in den letzten Jahren derart allgegenwärtig geworden ist, kommt kein Redakteur mehr umhin sich mit der Frage auseinander zu setzen, ob man für Online genauso texten kann wie für Print.

Auf den ersten Blick sehen die Strukturen beider Textsorten sehr ähnlich aus. Beide haben eine prägnante Überschrift und statten lange Artikel zur besseren Strukturierung mit Zwischenüberschriften aus.

Print: lineares Schreiben und Lesen

Beim Lesen fangen jedoch die Unterschiede an: Studien belegen ein deutlich anderes Leseverhalten von Print- und Online-Lesern. Frei nach dem Motto „Papier ist geduldig“ sind es auch seine Leser, denn Print-Texte weisen eine lineare Schreibweise auf, die den Leser von Anfang bis Ende leitet – schließlich soll der Artikel in Gänze gelesen werden.

Online: Scannen nach Kernaussagen

Online-Leser sind jedoch eher auf der Suche nach griffigen Kernaussagen. Sie überfliegen die Texte lediglich und entscheiden aufgrund der Art, wie Informationen dargeboten werden, ob sie den Text lesen oder nicht. Diesem Verhalten muss auch die Struktur Rechnung tragen.

Ein Teaser weckt das Interesse

Ein fesselnder Teaser ist häufig das ausschlaggebende Kriterium, einen Artikel weiterzulesen. Diese werden bei vielen Content Management Systemen schon fest in die Struktur integriert. Hat der Teaser die Aufmerksamkeit gewonnen, so müssen Informationen im folgenden Artikel sofort greifbar sein.

Skimming als Online-Lesen

Die klassische Struktur „Hypothese – Argumentation – Ergebnis“ funktioniert bei Webtexten nicht, denn der User liest die Texte nicht, er „skimmt“ sie, das heißt, er steigt an beliebigen Stellen des Textes ein und wieder aus und erfasst dadurch seinen Inhalt. Dadurch müssen wir als Texter die Struktur der Texte dementsprechend anpassen.

Verständlichkeit ist Trumpf

Die Herausforderung für uns Autoren liegt darin, auch komplizierte Inhalte so einfach wie möglich darzustellen. Eine klare Sprache und kurze Sätze sind dabei Trumpf. Zu viele Fremdwörter, verschachtelte Nebensatzkonstruktionen, Füllwörter und Passivsätze sind absolute Aufmerksamkeitskiller.

Struktur erleichtert das Verständnis

Absätze und Informationskästchen hingegen bieten Informationen strukturiert und in leicht aufnehmbaren Einheiten an. Die Aufmerksamkeit wird durch konkrete Beispiele, wörtliche Rede, direkte Fragen und griffige Formulierungen angeregt. So reagieren Sie angemessen auf die Zielgruppe, werden der Intention des Textes gerecht und stimulieren den Leser.

Online: langsamere Lesegeschwindigkeit

Auch Zwischenüberschriften sind unerlässlich, um sich schnell im Text orientieren und zu den wesentlichen Informationen springen zu können. Zudem sind Online-Texte meist kürzer als Print-Texte, da einerseits die Lesegeschwindigkeit am Bildschirm um ein Viertel langsamer ist als auf Papier und andererseits die Aufmerksamkeitsspanne durch das Flimmern des Bildschirms und blinkende, bunte Werbeanzeigen beträchtlich verkürzt wird.

Höhere Click-Raten winken

Die geschilderten Merkmale gelten für alle Arten von Online-Beiträgen, Infotexten, Blogeinträgen, Produktbeschreibungen etc. Ihre Lesbarkeit lässt sich merklich verbessern, wenn Sie sich an diese Spielregeln halten. Ihre Leser werden es Ihnen mit höheren Klick-Zahlen danken.

Michael SiegleComment